Yamaha-FZ1   
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Testberichte
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Dunkle Macht

Sie trägt den gedrosselten R1-Motor in der Brust, zeigt sich nackt und sehnig, wie ihr Erbauer sie schuf. Böser Streetfighter, oder nur harmloses Naked-Bike?

Jetzt ist es zu spät. Die Entscheidung, sich mit den Mächten des neuen Naked-Bikes FZ1 einzulassen, ist gefallen. Fast glaubt man, den furchteinlösenden Asthma-Atem von Darth Vader zu hören, wenn Yamahas neuen Streetfighter kurz den Rücken kehrt. Dabei wirkt dieser, wie er dasteht, zwar stämmig, aber dennoch kompakt und eigentlich gar nicht so bedrohlich.

Also los: Anlassen und checken, wie sich der auf mehr Drehmoment abgestimmte, von 172 auf 150 PS gedrosselte 2005er R1-Motor anfühlt. Was daran geändert ist? Die Verdichtung wurde von 12,4 auf 11,5 zu eins reduziert, die Zünd- und Einspritzelektronik angepasst, die Steuerzeiten gezähmt, dafür aber mehr Schwungmasse für einen ruhigeren Motorlauf eingepflanzt. Unterstützend gab´s noch eine kürzere Übersetzung der beiden letzten Gangstufen – so sollte eigentlich ordentlich was gehen.

Erst mal Gemach – schließlich wird auf den Straßen in und um Kapstadt/Südafrika links gefahren. Ungewohnt. Leicht und präzise funktionieren Kupplung und Getriebe, und schon ab 2000/min. schiebt der Vierzylinder geschmeidig an. Zum lässigen Einschwingen genau richtig, doch hätte man bei mittleren Drehzahlen mehr Bums erwartet. Richtig voran geht es zwar ab 6.000 Touren, höllische Kräfte zerren bis zur 12.000er Marke an den Armen, aber eigentlich verspricht man sich von der FZ1 einen anderen Kampfstil. Die wahre Macht sollte im Keller schlummern.

Einschläfernd wirkt das alles trotzdem keineswegs. Die kompakte, offensive Sitzposition, nahe am gut in der Hand liegenden, geraden Lenker gefällt und verleitet zum Ausreizen der motorischen Gewalt. Den Rahmen, wie bei der FZ6 aus zwei Hälften geschraubt, bringt nichts aus der Ruhe. Auch der breite 190er Hinten verursacht kaum störendes Aufstellen. Deutlich handlicher als die Quasi-Vorgängerin FZS 1000 prescht die FZ1 die Küstensträßchen entlang, bietet tolles Feedback und astreine Lenkpräzision, passt aber mit ihrer sehr straffen Abstimmung besser auf Idealasphalt als auf löchrigen Nebenstraßen. Die Bremsanlage mit ihren gewaltigen 320er Scheiben ist von leichter Hand zu bedienen und trumpft mit glasklarem Druckpunkt sowie feiner Dosierbarkeit auf. Nicht ganz perfekt ist hingegen das Ansprechverhalten des Motors beim rabiaten Gasgeben im oberen Drehzahlbereich. Leicht verzögert, dann aber umso abrupter erfolgt der Einsatz und kann so manche Linie verhageln.

Das selbe Problem hat Yamahas Fazer-Schwert, die mit Halbschale ausgestattete Touren-Schwester. Die FZ1 Fazer bietet jedoch artgerecht eine etwas komfortablere Abstimmung der Federelemente, dafür aber weniger klare Rückmeldung und wirkt insgesamt etwas träger als die Nackte.

Im Vergleich zur Vorgängerin FZS 1000 schlägt sie sich dennoch prima, denn der tiefer montierte Lenker und die deutlich attraktivere nach vorn gerückte Sitzposition machen die Neue spürbar agiler. Das Leben unterwegs erleichtern ein üppiger Soziusplatz mit Haltebügeln und ein serienmäßiger Hauptständer. Und die dezente Verkleidung verblüfft nach wie vor mit ordentlichem, turbulenzfreiem Windschutz. Wer´s noch touristischer braucht, kann sich ja aus dem Zubehörregal das Verkleidungsunterteil, den Koffersatz und die Tourenscheibe besorgen. Macht die FZ1 Fazer zwar nicht mächtiger, aber noch tourentauglicher.

Moppedurteil: Sie ist stark, sie ist mächtig, sie ist handlich und bremst prächtig. Doch sie beherbergt kein Monster im Drehzahlkeller. Eine dunkle, aber eine beherrschbare Macht, die Spaß macht und stets zu kleinen Duellen reizt.

 

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.:© 2009 Robert Rauch